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Geschichte des Gebietes

Die Natur hat unserem tschechisch-deutsch-polnischen Grenzgebiet seine eigenartige Schönheit verliehen, die Geschichte brachte ihm einen tausendjährigen Strom von menschlichen Schicksalen, den ewigen Wandel des Aufblühens und des Verfalls der Früchte ihrer Arbeit, den Wechsel der Kulturen, das Zusammenleben und Zwiespalt, Liebe und Zwist. Am Ende stand aber immer das Bestreben jeder Generation, das gewonnene Erbe zu erbauen und es in einem besseren Zustand den Nachkommen zu übergeben.

Wenn wir in die Geschichte unserer Region zurückblicken, finden wir hier schon in der Vorzeit Spuren von Menschen. Später in der Römerzeit machte sich hier zuerst der Einfluß der keltischen Bojer und zum Beginn unserer Zeitrechnung der Einfluß der germanischen Markomannen bemerkbar. Im Verlauf der Völkerwanderung besiedelten das ganze Gebiet die Slawen.

Tiefe Urwälder reichten weit in das Vorland des Lausitzer-, Iser- und Riesengebirges und nur mit großer Mühe war es möglich, sie zu passieren. Als vereinigendes Element erwies sich der frühmittelalterliche böhmische Staat, dessen Herrschern es schon im 11. Jahrhundert gelungen war, Einfluß auf die Lausitz zu gewinnen. Im Jahre 1076 hat sie für eine gewisse Zeit der Herzog Vratislav in seinen Besitz genommen und im Jahre 1158 der König Vladislav. Da nahte aber schon die große Welle der Kolonisation, die in diese slawischen Gebiete nach und nach deutsche Ansiedler brachte, so daß neben den alten sorbischen neue deutsche oder gemischte Dörfer entstanden. Es entstanden aber auch neue kirchliche Institutionen wie Klöster - das Zisterzienserkloster Marienthal ist schon im Jahre 1234 schriftlich belegt - die Kommende der Johanniter in Cesky Dub (Böhmisch Aicha) taucht in den Quellen zum ersten Mal 1291 auf. Die Burg Lämberg (Lemberk) wird 1241 im Besitz der Marquartiner erwähnt und 1278 erwarb Rulko von Biberstein aus Meißen die Burg Friedland, die vorher dem Geschlecht Rohnau gehörte. Zittau - 1238 das 1. Mal erwähnt - bekam die Stadtrechte später von König Premysl Otakar II. Unter dem König Johann von Luxemburg und dem Kaiser Karl IV. kommt die Lausitz auf die Dauer zum Königreich Böhmen.

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Die wichtigsten Städte der Oberlausitz - Bautzen, Görlitz, Zittau, Kamenz, Löbau und Lauban - schlossen sich 1346 zum Sechsstädtebund zusammen. Er spielte eine bedeutende politische und wirtschaftliche Rolle und hatte rege Beziehungen zu Böhmen, Sachsen, Brandenburg und Schlesien. Ihre Bedeutung bewiesen die sechs Städte während der Hussitenkriege, in denen sie eine konsequente antihussitische Haltung einnahmen und an den Kreuzzügen nach Böhmen teilnahmen. Einige Feldzüge der Hussiten in die Lausitz - z.B. 1427, 1428, 1429, 1431 - waren die Folge dieser Haltung.

Während der Hussitenzeit lockerten sich die Beziehungen der Oberlausitz zu Böhmen und das dauerte noch unter den Königen Georg von Podebrad und Wladislav Jagello. Als im Jahre 1526 die Habsburger den böhmischen Thron bestiegen, verbreitete sich in Deutschland schon Luthers Reformation und binnen drei Jahrzehnten wurde auch die Lausitz fast ganz protestantisch. Zu dem meist nicht katholischen Böhmen gesellte sich also im Rahmen der böhmischen Kronländer die protestantische Oberlausitz und beide Länder nahmen auch an den Ständeaufständen gegen die Habsburger in den Jahren 1546 und 1618 teil. Beide haben auch gemeinsam die Rache des Siegers zu spüren bekommen.

Der 30jährige Krieg (1618-1648) hat die Schicksale der heutigen Euroregion wieder durch gemeinsames Elend seitens der kriegsführenden Parteien verbunden. Wie eng damals das Zusammenleben der Lausitz mit Nordböhmen war, ist daraus zu sehen, daß auch nach der Einverleibung der Lausitz durch Sachsen im Jahr 1635, die durch die Gegenreformationsmaßnahmen der Habsburger nach dem Westphälischen Frieden (1648) verursachte Auswanderung der nordböhmischen Bevölkerung in die Lausitz nicht aufhörte. Diese Emigranten füllten so die durch den Krieg entstandenen Lücken in der Bevölkerung der lausitzschen und schlesischen Dörfer, und die schon von früher existierende verwandschaftliche, sprachliche und kulturelle Verbundenheit der Menschen beiderseits der Grenzen dauerte auch weiter an.

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Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich auf dem Gebiet der Region die Produktion in Manufakturen und später in Fabriken, besonders in der Textilbranche. Die friedliche Entwicklung unterbrachen aber auch damals Kriegsdrangsale. Die ganze Gegend erlebte mehrere Durchzüge preusischer und österreichischer Truppen in den Jahren 1740 - 1763, später Durchmärsche in den napoleonischen Kriegen, als z.B. 1813 Kaiser Napoleon kurz in Gabel (Jablonne) weilte. Fünfzig Jahre später rückte die preußische Armee im Sommer 1866 in Nordböhmen ein.

So viele Jahrhunderte, so viele Kriege, aber die barmherzige Zeit hat immer die Narben menschlichen Elends nach und nach verschwinden lassen und auf allen Seiten überlebten schließlich die Beweise des menschlichen Strebens, Arbeitsamkeit und Fleiß.

Was alles haben die alten ländlichen Fachwerk- und Blockwandhäuser, die Kirchen, die manchmal - wie die in Wiese im Friedländischen, bis in das 15. Jahrhundert zurückreichend - erlebt oder die Renaissancegrabsteine ähnlicher Formen, die wir im Friedländischen, Zittauischen und zawidower Gebiet auffinden können und die vielleicht aus ein und derselben Werkstatt stammen!


Die moderne Zeit hat durch ihre Kommunikationen die Entfernungen verringert, hat die gegenseitigen Verbindungen erleichtert, hat das ehemalige sächsisch-preussisch-böhmische Vorland unserer Gebirge miteinander verbunden und so in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts noch bedeutender zur Ausweitung eines ökonomisch zusammenarbeitenden Gebietes mit einer gegenseitigen Bewegung von Arbeitskräften, ohne Rücksicht auf die damaligen Grenzen beigetragen. Diese Tendenzen dauerten noch eine gewisse Zeit nach dem I. Weltkrieg an, bis sie auf viele Jahrzehnte unterbrochen wurden.

Der Charakter der Natur jeder Gegend bekommt durch die Tätigkeit der Leute sein endliches Antlitz und ist so auch ein Zeugnis der früheren Schicksale. Es ist typisch für unsere Region, daß die historische Entwicklung hier in überwiegender Weise die Rolle eines verbindenden und integrierenden Faktors gespielt hat.

Doz. PhDr. Rudolf Andel, CSc.

 
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